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Schmerz lass nach – Wunde Brustwarzen und Stillen

Titelbild_wunde-Brustwarzen-Tipps-Tricks

Eigentlich sollte das Stillen für dich und dein Baby eine innige Kuschelzeit und eine angenehme Erfahrung sein. Besonders zu Beginn kämpfen jedoch viele Frauen mit schmerzenden und wunden Brustwarzen – und die können einem die Freude am Stillen ganz schön verhageln.

Nach einer Untersuchung (der Akademie OEWD) sind wunde Brustwarzen der häufigst genannte Grund der Befragten für das frühzeitige Abstillen in den ersten beiden Stillmonaten.¹

Gerade in den ersten Tagen der Stillbeziehung reagieren die Brustwarzen häufig empfindlich auf die neue (Dauer-)Beanspruchung. Die Haut ist zart und sie müssen sich erst an die neue Stillsituation gewöhnen.

"Schon kurz nach der Geburt im Krankenhaus war das Stillen eine schmerzhafte Angelegenheit. Zuerst habe ich es noch gar nicht so wahrgenommen, aber als der Geburtsstress nach einigen Stunden langsam von mir abfiel, merkte ich erst so richtig mit welchen Schmerzen das Anlegen verbunden war. Meine Tochter kam in der Nacht zu Welt und bereits am Morgen taten die Brustwarzen so weh, dass ich es kaum aushielt".

→ Milchmami Louisa über ihren Stillstart (die ganze Stillgeschichte findest du hier)

Wunde Brustwarzen - häufig, aber nicht "normal"

Zwar sind Brustwarzenschmerzen weit verbreitet, aber dennoch nicht „normal“. Deine Brustwarzen fühlen sich beim Stillen anfangs vielleicht ein wenig unangenehm und beansprucht an, sollten aber nicht stark schmerzhaft sein.

Wenn deine Beschwerden sich nicht nach kurzer Zeit bessern oder sich verschlimmern, kann dies ein Anzeichen dafür sein, dass etwas nicht stimmt. Dann solltest du dich unbedingt auf Spurensuche für die Ursache begeben.

"Meine Brustwarzen schmerzten insgesamt drei Wochen sehr stark. So sehr, dass ich mich vor jedem neuen Stillen fürchtete und vor Schmerzen dabei oft weinte."

→ Milchmami Katlin über den Anfang ihrer Stillzeit (hier findest du ihren Erfahrungsbericht)

Je früher das Problem erkannt und behoben wird, desto schneller steht einer schönen Stillzeit nichts mehr im Wege. Zögere nicht, dir frühzeitig professionelle Unterstützung bei deiner Hebamme oder eine Stillberaterin zu holen.

Aber warum haben so viele Milchmamis mit schmerzhaften Brustwarzen zu kämpfen?

Häufige Gründe für wunde Brustwarzen

Anlegetechnik

Zu den häufigsten Gründen für anhaltende wunde Brustwarzen gehört das falsche Anlegen des Babys. Wenn das Baby deine Brustwarze nicht richtig umfasst oder nur die Brustwarze und nicht auch den Warzenhof mit erwischt, kann der Druck auf deine Brustwarze zu groß sein. Folge: die Brustwarze wird gequetscht und reibt sich wund.

Tipps gegen wunde Brustwarzen:
  • Richtig Anlegen und Ablösen: Kontrolliere bei jedem Stillen das richtige Anlegen! Wenn dein Baby nicht richtig saugt oder es wehtut, korrigiere die Position. Zieh dabei nicht einfach deine Brustwarze aus dem Mund deines Babys. Löse es stattdessen vorsichtig mit dem Finger am Mundwinkel von der Brust ab.
  • Biete deinem Baby erst die Brust an, wenn sein Mund weit geöffnet ist. So kann es die Brustwarze tief in den Mund nehmen und den Warzenvorhof mit umschließen.
  • Die Lippen deines Babys sollten wie bei einen kleinen Fisch nach außen aufgestülpt sein. Wenn die Lippen nach innen zeigen, zieh die Ober- bzw. Unterlippe ganz vorsichtig mit einen Finger nach oben bzw. unten.
  • Wenn deinem Baby während der Stillmahlzeit die Brustwarze aus dem Mund rutscht, löse dein Baby von der Brust und leg es neu an. Achte dabei auf ausreichend Abstand zwischen seiner Nase und deiner Brust.
  • Wenn deine Brust sehr voll ist, kann es sein, dass dein Baby die Brust nicht richtig zu fassen bekommt oder die Brustwarze stark zusammendrückt, um den Milchfluss zu verringern. Das führt zu einem schmerzhaften Ausgang für dich. Um dem entgegenzuwirken, streich am besten vor der Stillmahlzeit deine Brust ein wenig aus.
  • Damit dein Baby die Brustwarze besser zu fassen bekommt, kannst du beim Anlegen den „C-Griff“ versuchen. Bei dieser speziellen Handhaltung umfassen die Finger vorne flach die Brust von unten, der Daumen liegt dabei oberhalb der Brustwarze.
  • Achte darauf, dass dein Baby beim Stillen die Brustwarze mit den wunden Stellen in den Mund nimmt. So entsteht möglichst wenig Zug auf den schmerzhaften Stellen.
Das hilft außerdem:
  • Lege dein Baby zuerst an der weniger oder nicht schmerzhaften Brust an. Wechsel erst dann zur anderen Seite. Überprüfe, ob dein Baby korrekt angedockt ist und korrigiere ggf. die Stillposition.
  • Lege dein Baby möglichst frühzeitig an. Das heißt nicht erst, wenn es sehr hungrig ist. Viele Babys trinken dann unruhig und hastig, was bei wunden Brustwarzen sehr unangenehm sein kann.

Stillposition

Nicht nur falsches Anlegen kann für wunde Brustwarzen verantwortlich sein, sondern auch deine Stillposition.

Dabei ist es egal, ob du in der Wiegehaltung, im Liegen oder in Seitenlage stillst. Wichtig ist die korrekte Ausführung. Wenn zum Beispiel dein Baby seinen Kopf zu deiner Brustwarze drehen muss, erhöht sich der Saugdruck und damit auch die Belastung für deine Brustwarzen. Auch wenn dein Baby zu tief oder zu weit entfernt von dir liegt, kann dies den Sog erhöhen und deine Brustwarzen reizen.

Tipps, um wunden Brustwarzen vorzubeugen:
  • Dein Baby sollte mit dir in engem Körperkontakt Bauch an Bauch liegen und sein Körper sollte eine gerade Linie ohne Verdrehungen bilden. Die Nase deines Babys liegt zum Andocken vor deiner Brustwarze. Du führst dein Baby zur Brust, nicht umgekehrt.
  • Nicht nur dein Baby sollte beim Stillen eine optimale Haltung annehmen. Auch du selbst solltest eine bequeme und entspannte Position einnehmen (Tipps dazu findest du hier: Entspannt Stillen zu Hause – 10 Tipps für Zeit zu zweit).
  • Vielleicht versuchst du es einmal mit einem Stillkissen, einer Stütze im Rücken, oder wie wäre es mit Stillen im Liegen? (Alle Infos dazu: Stillen im Liegen – fast wie im Schlaf).
  • Überprüfe nach jedem Stillen deine Brustwarze. Sie darf nicht wehtun, gerötet, geschwollen oder ähnliches sein. Wenn dies der Fall ist, schau dir nochmal genau deine Angelegetechnik und Stillposition an.
  • Wechsel regelmäßig die Stillposition, so dass auch die Position des Mundes deines Babys an der Brustwarze und die Belastung variiert. So wird die Brustwarze an immer unterschiedlichen Stellen beansprucht und wunde Stellen können vorgebeugt werden.Wenn du eine Position gefunden hast, in der du schmerzfrei stillen kannst, kannst du die Haltung natürlich auch länger beibehalten.
  • Versuche auch einmal die Football-Haltung – sie kann bei wunden Brustwarzen Entlastung schaffen. Dabei liegt dein Baby zwischen deinem Oberkörper und angewinkelten Arm, die Beine zeigen nach hinten.

Verkürztes Zungenbändchen

Auch ein verkürztes Zungenbändchen deines Babys kann für wunde Brustwarzen und schlechtes Trinkverhalten verantwortlich sein, da es deine Brustwarze nicht ausreichend umfassen kann. In den meisten Fällen wird das Zungenbändchen mit einem minimalen chirurgischen Eingriff durchtrennt.

Wie kannst du feststellen, ob dein Baby ein zu kurzes Zungenbändchen hat?

Wenn dein Baby mit seiner Zunge über seine Unterlippe kommt, ist es ein gutes Zeichen, dass alles in Ordnung ist. Bei einem verkürzten Zungenbändchen ist häufig das weiße Häutchen vorne zu sehen, die Zungenspitze ist eingekerbt, und die Zungenränder sind herzförmig eingezogen.

Flach- oder Hohlwarzen

Nicht jede Brustwarze hat die „perfekte“ Form, die das Stillen erleichtert. Wenn die Brustwarzen nicht hervortreten und flach sind (Flachwarzen) oder nach innen eingezogen sind (Hohlwarzen), kann dein Baby Schwierigkeiten haben die Brustwarze und den Warzenvorhof richtig zu umfassen. Das kann wunde Brustwarzen begünstigen aber auch insgesamt das Trinkverhalten erschweren.

Mit diesen Tipps beugst du wunden Brustwarzen vor:
Stimulation der Brustwarze:

Damit dein Baby die Brustwarze besser umfassen kann, versuche vor dem Stillen die Brustwarze durch Stimulation zum Aufrichten zu bringen. Es gibt verschiedene Techniken, um die Brustwarze sanft aufzustellen:

  • Drücke vorsichtig mit zwei Fingern auf den Warzenvorhof, sodass die Brustwarze leicht hervortritt und dein Baby sie besser fassen kann (V- oder C-Griff)
  • Massiere deine Brustwarze sanft zwischen Daumen und Zeigefinger, um sie stärker aufzurichten
  • Versuche vor dem Stillen vorsichtig deine Brustwarze KURZ mit einer kalten Kompresse oder einem Eiswürfel zum Aufstellen zu stimulieren
Milchpumpe oder Ausstreichen:

Du kannst die Brustwarze mit einer Milchpumpe oder durch Ausstreichen auf die Stillmahlzeit vorbereiten. Die Brustwarze wird dadurch stimuliert und aufgerichtet. Dadurch hat es dein Baby leichter, richtig anzudocken.

Brustwarzenformer und Stillhütchen:

Brustwarzenformer ziehen die Brustwarze sanft nach oben und können sie so in die richtige Form bringen und das Aufrichten erleichtern. Die Brustwarzenformer sind aus einer weichen Silikonmembram und können auch schon in der Schwangerschaft zur Vorbereitung auf das Stillen getragen werden.

Stillhütchen oder Brusthütchen

Stillhütchen sind Scheiben aus flexiblem Silikon mit Löchern an der Spitze, die den Milchfluss ermöglichen. Dein Baby bekommt so beim Andocken einen größeren Ansatzpunkt, der das Anlegen erleichtern kann.

Wichtig!

Bevor du diese Hilfsmittel einsetzt, berate dich unbedingt mit deiner Hebamme oder einer Stillberaterin. Besonders die richtige Stillhütchengröße zu finden, ist nicht ganz einfach. Eine falsche Größe kann genau das Gegenteil vom gewünschten Erfolg bewirken (Wie in diesem Erfahrungsbericht zu lesen)

Zu wenig Milch

Auch wenn du tendenziell zu wenig Milch hast, kommen häufig wunde Brustwarzen vor.
Es kann nämlich sein, dass dein Baby beim Stillen ein sehr hohes Saugvakuum aufbaut, um mehr Milch aus der Brust zu bekommen.

Tipp:

Um den Milchfluss anzuregen bzw. den Milchspendereflex auszulösen, kannst du deine Brust vor der Stillmahlzeit sanft massieren.

Entzündungen & Co

Für wunde und schmerzhafte Brustwarzen kann es auch medizinische Gründe geben. So können beispielsweise auch Vasospasmus oder auch Gefäßspasmus (weiße Brustwarzen), die Pilzinfektion Soor oder eine bakterielle Infektion zu Problemen mit den Brustwarzen führen.

Zu enge Kleidung

Zu enge (Still-)BHs können zu viel Druck auf die Brustwarzen ausüben und sie wund werden lassen.

SOS-Tipps für wunde Brustwarzen

Wenn es dich doch erwischt hat, können diese Hilfsmittel dir Schmerzlinderung verschaffen und beim Abheilen helfen:

Muttermilch ist ein wahres Allround-Talent. Auch bei der Heilung von beanspruchten Brustwarzen kann sie mit ihren Enzymen helfen. Verteile einfach nach dem Stillen etwas Muttermilch auf deiner Brustwarze und lass sie an der Luft trocknen. Falls du an der Pilzerkrankung (Mund-)Soor leidest, solltest du auf Muttermilch zur Behandlung verzichten.

Mehr Infos zu Produkten, die beruhigend auf deine Brustwarzen wirken, findest du in unserem Artikel „Wunde Brustwarzen beim Stillen – Kleine Helferlein mit großer Wirkung. Hier verraten unsere Milchmamis, was ihnen geholfen hat und ihre Tricks in der Anwendung.

Zum Abschluss noch ein paar allgemeine Tipps, die du bei der Behandlung von beanspruchten Brustwarzen beachten solltest:

5 generelle Tipps bei wunden Brustwarzen

Hallo Hygiene – Tschüss wunde Brustwarzen!

Bevor du mit der Pflege deiner Brustwarzen startest, wasch dir immer gründlich deine Hände, damit keine Keime oder Bakterien in die Wunden Stellen kommen können.

Weniger ist mehr

Achte darauf, dass deine Brustwarzen nicht mit zu viel Seife, Duschgel, Creme etc. in Berührung kommen. Dadurch kann die zarte Haut leicht austrocknen und zusätzlich gegreizt werden.

Wasser reicht zur Reinigung von Brust und Brustwarzen völlig aus.

Mit Luft und Liebe gegen wunde Brustwarzen

Lass viel Luft an deine Brustwarze und lasse sie nach dem Stillen an der Luft trocknen. Das fördert die Wundheilung und verhindert, dass dein BH oder deine Stilleinlagen zu feucht werden (siehe nächster Punkt).
Um zusätzliche Reibung an den Brustwarzen zu vermeiden, verzichte so viel es geht auf einen BH und zu enge Kleidung. Aber Vorsicht, wenn der Postbote klingelt :).

Bleib auf dem Trockenen

Wechsel regelmäßig nach dem Stillen deine Stilleinlagen. Werden sie zu feucht, ist dass ein Nährboden für Keime. Gleiches gilt für den BH. Nach dem Stillen tropft häufig noch etwas Muttermilch aus deiner Brust. Wenn sich zu viel Nässe in Kombination mit der Körperwärme bildet, ist das die perfekte Umgebung für Keime und Pilze. Zusätzlich werden die Brustwarzen durch die Reibung gereizt.
Weiche und luftdurchlässige Seide-Wolle-Stilleinlagen sind hier eine gute Alternative.

Päuschen gefällig?

Wenn du zu starke Schmerzen hast, kannst du überlegen eine Stillpause einzulegen und vorübergehend eine Milchpumpe zu verwenden. Mit der Milchpumpe kannst du den Druck auf deine Brustwarzen kontrollieren.

Wichtig!

Besprich so einen Schritt immer VORHER mit deiner Hebamme oder einer Stillberaterin.

Quellen:

¹ PD Dr. Erika Sievers, Akademie für Öffentliches Gesundheitswesen in Düsseldorf,
Wunde Brustwarzen und entzündliche Brusterkrankungen als häufige Ursache für frühzeitigen Stillabbruch, 05.12.2013: https://www.verywellfamily.com/oxytocin-and-breastfeeding-3574977

² Nadja Katzenberger, Baby&Familie, Verkürztes Zungenbändchen – wie behandeln?, 06.04.2021: https://m.baby-und-familie.de/Stillen/Verkuerztes-Zungenbaendchen–wie-behandeln-332187.html

³ La Leche League International, Breastfeeding with sore nipples: https://www.llli.org/breastfeeding-info/breastfeeding-sore-nipples/

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